• Christine Sauer

Allergie oder Autoimmunerkrankung

Aktualisiert: Jan 23

Unser Blut-, Lymph- und Immunsystem ist ein sehr komplexes Feld. Während ich das Studienheft dazu bearbeitete, stellten sich mir einige Fragen, u. A. der genaue Unterschied zwischen einer Allergie und einer Autoimmunerkrankung, die beide eine Erkrankung unseres Immunsystems darstellen. In diesem Blogbeitrag möchte ich der Sache etwas genauer auf den Grund gehen.


Entwicklung und Definition

Wir niesen, die Augen tränen, die Nase läuft. In Deutschland leiden etwa 30% an einer Allergie, Tendenz steigend. Immer mehr Menschen plagen Heuschnupfen, allergisches Asthma, Ekzeme, Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien. Die Heuschnupfenfälle, die zum Allergie-Typ-I zählen, haben sich in den letzten zehn Jahren sogar verdoppelt. Zu den Ursachen werden neben der Veranlagung, veränderte Ernährungs-, Wohn-, und Reisegewohnheiten, aber auch eine zunehmende Umweltbelastung gezählt.

Im Gegensatz dazu, leiden nur 5% der Deutschen an einer Autoimmunerkrankung. Dazu zählen u. A. die rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes oder Diabetes Typ-I.

Eine Allergie ist definiert, als eine übermäßige Immunreaktion gegen körperfremdes Gewebe. Harmlose Stoffe wie Pollen oder Hausstaub werden vom Körper wie gefährliche Stoffe eingestuft und bekämpft. Der Erstkontakt mit einem Allergen führt dabei zu einer Überproduktion von Antikörpern. Diesen Vorgang nennt man Sensibilisierung.

Bei einer Autoimmunerkrankung hingegen, richtet sich das Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Es kommt zu schweren Entzündungen, die unsere Organe schädigen. In beiden Fällen übertreibt es unser Immunsystem und beide Erkrankungen können eine genetische Disposition und/oder ökologische Veränderungen als Ursache zugrunde liegen haben.


Ursache, Symptome und Verlauf beider Erkrankungen sind sehr unterschiedlich, aber schaut man sich das ganze aus klinischer Sicht an, kann man schon mal durcheinanderkommen.


Allergie-Typ-II

Bei einer Allergie bildet unser Immunsystem abnorm viele Antikörper vom Typ IgE, die sich an die Oberfläche von Mastzellen heften. Mastzellen sind eine besondere Art weißer Blutkörperchen, die sich an strategisch wichtigen Orten, wie den Schleimhäuten befinden. Nach der oben erwähnten Sensibilisierung, bindet sich das Antigen an die IgE und bringt dadurch die Mastzellen zum Platzen.


Nun schütten die Zellen Histamin aus, ein entzündungsvermittelnder Botenstoff. Histamin bewirkt die typischen allergischen Symptome, wie Quaddeln, geschwollene Schleimhäute oder Sekretabsonderungen. Vor allem beim bekannten Allergie-Typ-I können uns Pollen, Lebensmittel oder Staubmilben wirklich in den Wahnsinn treiben.

Beim Allergie-Typ-II, der weitaus weniger bekannt ist, bewirken körperfremde Substanzen, dass körpereigene Zellen als fremd angesehen werden. Das kann durch den Einsatz bestimmter Medikamente, wie einiger Schmerzmittel oder durch Bluttransfusionen passieren. Die körperfremden Antigene heften sich an die Zelloberfläche der eigenen Blutzellen, die nun vom Immunsystem als fremd angesehen und vernichtet werden.

Auch bei einer Autoimmunerkrankung wird körpereigenes Gewebe angegriffen, nur eben nicht durch eine vorherige Fremdeinwirkung, sondern durch die Bildung eines Antigen-Antikörper-Komplexes körpereigener Zellen.


Neurodermitits

Neurodermitis entspricht in vielen Punkten einer Autoimmunerkrankung, und wird dennoch zu den Allergien gezählt. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich die Immunabwehr und ihre gebildeten Antikörper gegen die eigenen Zellen und vernichten diese. Bei der Neurodermitis kommt es nur selten zu dieser charakteristischen Ausprägung von Autoantikörpern. Bei sehr schweren Formen kann man diese Antikörper hin und wieder im Blut messen. Die Tatsache, dass die Neurodermitis zum Allergie-Typ-I zählt, liegt in der Beeinflussung durch Nahrungsaufnahme und zählt somit zur Nahrungsmittelallergie.


Zöliakie und Purpura-Schönlein-Henoch

Diese beiden Erkrankungen weisen sowohl Merkmale einer Allergie als auch einer Autoimmunerkrankung auf. Die Glutenunverträglichkeit bei Zöliakie deutet auf eine allergische Ursache hin. Glutenhaltige Lebensmittel, wie Weizen, Gerste, Hafer, Dinkel, Roggen oder Grünkern greifen die Darmschleimhaut an. Die entzündete Darmschleimhaut löst ihrerseits eine vermehrte Produktion von T-Zellen aus, die ein körpereigenes, kalziumhaltiges Enzym, namens Gewebetransglutaminase (tTG) angreifen. TTG ist u. A. für unsere Wundheilung und die Zellmobilität zuständig. Eine Unverträglichkeit führt also nicht nur zu den daraus entstehenden Problemen, sondern löst eine Kettenreaktion im Körper aus.

Ähnlich dieser Kettenreaktion verhält es sich bei der Purpura-Schönlein-Henoch Erkrankung der Blutgefäße, bei der sich nach ein paar Wochen einer Infektion oder der Einnahme bestimmter Medikamente, Immunkomplexe an den Gefäßwänden ablagern und schließlich zu einer aseptischen Entzündung von Haut, Darm oder Nieren führen.


Therapie

Allergien behandelt man mit Antihistaminika, Kortison und der Vermeidung von Allergenen. Autoimmunerkrankungen werden mit Immunsuppressiva behandelt, die die natürliche Immunabwehr unterdrücken, was allerdings eine erhöhte Infektneigung zur Folge hat. In der Diskussion steht momentan außerdem, ob Vitamin D zusätzlich als Schutzfaktor fungieren kann. Vitamin D verhindert die übertriebene Freisetzung von Lymphozyten und hemmt die Produktion von Zytokinen, die das Immunsystem anregen.


Wie Diagnosen von Allergien mittels Hauttests vorgenommen werden, erklärt übrigens die neue Internetseite der Uniklinik Frankfurt ganz eingängig.

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