• Christine Sauer

Corona, stay home, stay positive

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Klasse, dass du wieder eingeschaltet hast zu meiner 3. Folge von We are gesund. Heute zum Thema „Positiv bleiben in Zeiten von Corona“. Eigentlich hatte ich ganz viele Interviews zu diversen Gesundheitsthemen in der Pipeline, aber da man sich nicht treffen kann, um dann gemeinsam in ein Mikro zu sprechen, werde ich nun doch lieber ein paar Folgen alleine machen bzw. hin und wieder einen Gesprächspartner/in per Telefon interviewen.

Wie geht es euch da draußen? Geht es euch wie mir, dass ihr hin und wieder wie aus einem Traum aufwacht und euch fragt, ob das grad wirklich alles passiert? Oder denkt ihr, war ja klar, dass sowas irgendwann geschieht, so wie wir mit unserer Umwelt umgehen...?

Wie auch immer ihr denkt, klar ist, es ist eine totale Ausnahmesituation. Die Wirtschaft bricht ein, viele Menschen sind ohne Job und ohne Aufgabe. Wir sind zusammengepfercht auf engstem Raume, wenn wir eine Großfamilie habe oder mutterseelenallein, wenn wir Single sind. Wir verlieren Angehörige, Politiker bringen sich um und unsere Kinder können nicht zur Schule gehen. Wie sollen wir da positiv bleiben, fragen wir uns?

Feststeht, darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die Situation ist eine extreme Herausforderung an uns alle. Wir können uns nur an unseren gesunden Menschenverstand erinnern. Unser Verstand bringt uns dazu, sich an Situationen anzupassen und Maßnahmen zu ergreifen, die im ersten Moment zwar unbequem erscheinen, aber eine Chance bedeuten können.

Ich bin nicht sehr religiös, aber es gibt ein Gelassenheitsgebet von einem US amerikanischen Theologen, um den zweiten Weltkrieg herum verfasst, den ich zitieren möchte und den viele von euch sicherlich kennen: „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Diesen Spruch las ich immer und immer wieder, als ich 2010 an Krebs erkrankt war und meine wöchentliche Chemo erhielt. Er war auf Postkarten gedruckt und an Wände der Klinik gemalt und er machte mir Mut, da mir bewusst wurde, ich bin nicht allein da draußen. Ich bin nicht die Einzige, die um ihre Existenz fürchtet. Und ich bin auch nicht die einzige, die sich ihrer Schwäche schämt. Wir müssen nicht immer stark sein, wir dürfen verzweifeln, wir dürfen Ängste haben, wir dürfen wütend sein. Und doch müssen wir uns bewusst machen, dass wir uns nicht von Traurigkeit und Verzweiflung in die Enge treiben lassen dürfen.

In Zeiten von Corona heißt es jetzt, Augen zu und durch. Für uns alle. Die Isolation wird uns neuen Mut geben, neue Kreativität schaffen, neue Möglichkeiten eröffnen und sie bietet uns die Gelegenheit das Loslassen zu lernen. Die Verabschiedung von alten Denkmustern steht auf der Tagesordnung. Wir machen nichts mehr, weil es eben schon immer so war. Auf radikale Weise, werden wir zum Umdenken gezwungen: Home Office, Online Meetings, Warteschlangen mit 1,5 Metern Abstand, Schließung von Cafés und Restaurants und Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen. Mein Haut ist schon so verschrumpelt, als hätte ich 2 Tage in der Badewanne gelegen. Aber so ist es nun mal. Der Gesellschaftsstecker wurde gezogen und wir befinden uns im Reset-Modus.

Putzen, ausmisten, neu gestalten, Business überdenken ist das eine. Nachbarn helfen, alte Menschen und Obdachlose mit Essen und Trinken zu versorgen, das andere. Das eine tue ich für mich, das andere tue ich für andere. Beides ist gut, beides schafft Chancen für eine verheißungsvolle Zukunft mit mehr Solidarität, weniger Egomanie und einem bewussteren Umgang mit sich und seiner Umwelt. Ich würde mir wünschen, dass diese Einstellung zum Leben anhält. Dass wir wieder unsere Nachbarn grüßen, weil wir mehr Ressourcen für ein freundliches Lächeln übrig haben und weniger für Griesgrämerei. Wir konzentrieren uns jetzt aufs Wesentliche, denn wir haben verstanden „Gesundheit ist unser höchstes Gut“ und nicht Macht oder Reichtum.

Als ich vor ein paar Wochen eine Klopapier-Kauf-Erfahrung am Kassenband eines Supermarktes miterleben durfte, dachte ich wirklich an das Schlimmste, was uns die menschliche Rasse so zu bieten hat, aber ich wurde positiv überrascht. Es rührt mich jeden Tag auf’s Neue zu beobachten wie rücksichtsvoll unsere Mitmenschen miteinander umgehen. Aber nicht nur das, es entwickelt sich außerdem wahnsinnig viel Neues da draußen. Während die Natur vor unseren Augen explodiert, man die Vögeln in der Stadt ohne Flug- und Straßenlärm auf einmal zwitschern hört, engagieren sich viele Menschen in sozialen Bereichen.

Auf der Plattform von nebenan.de kann man schauen, ob jemand in der Nähe Hilfe benötigt. Die Quarantänehelden bieten ihre Nachbarschaftshilfe für Botengänge, Kindersitten oder Einkäufe an. Bei 100 Nachbarn in Frankfurt kann man helfen Essen an Bedürftige zu verteilen, und in fast jeder großen Stadt gibt es mittlerweile Gabenzäune. Hier könnt ihr Tüten mit Essen, Trinken und Hygieneartikel packen und sie an den Zaun hängen. Ich finde diese Installation sollte ein Dauerzustand werden!

Matthias Horx, Publizist und Visionär, sieht in der Coronakrise eine Chance. Er spricht von einer Regnose, die im Gegensatz zur Prognose nicht in die Zukunft schaut, sondern aus der Zukunft zurück in die Gegenwart. Er spricht von Zitaten wie sie gesagt worden sein könnten. (Keine Ahnung, ob ich das grammatikalisch richtig ausgedrückt habe.)

„Damals, als sich trotz der Pandemie Humor und Menschlichkeit entwickelte.“

„Damals, als wir alle zusammenhalten mussten.“

„Damals, als sich neue Ideen aus der Not entwickelten.“

Ich möchte glauben, dass es genau so sein wird. In unserem Mikrokosmos der eigenen Vierwände, könnte sich das dann beispielsweise so abspielen: Wir entschleunigen unser Leben, kochen wieder mehr und leben dadurch gesünder. Wir kaufen Bio-Qualität, denn wir haben Zeit Lebensmittel bedarfsgerecht zu planen und verbrauchen alles, ohne Essen wegzuwerfen. Wir machen mehr Sport und integrieren die ganze Familie dabei. Wir gehen draußen zusammen joggen oder machen Yoga im eigenen Wohnzimmer. Und wenn uns die Decke auf den Kopf fällt, wir Existenzangst haben oder einfach nur negative Gedanken, dann unterstützen wir andere, denen es noch viel schlechter geht als uns. Hilfe anzubieten ist immer eine Win-Win-Situation. Nicht nur der Hilfe-Empfänger profitiert, sondern auch wir Gebenden. Es lenkt uns von der Spirale nach unten ab. Außerdem haben wir nun endlich Zeit unser eigenes Lebensmodell zu überdenken. Wir können uns wichtige Fragen stellen, wie:

Sollen wir digitaler werden, um in Zukunft gewappnet zu sein? Oder sollen wir uns eher wieder auf das Wesentliche und das Hier und Jetzt konzentrieren? Haben wir eigentlich Spaß empfunden die letzten Jahre? Gibt es etwas, das wir immer machen wollten und nie die Zeit gefunden haben?

Wenn wir all das beantworten können, ist das ein Anfang und wir können beginnen, einen Plan zu schmieden. Wenn Corona vorbei ist, werden wir daraus gelernt haben. Wir werden wissen, unser Leben ist nicht endlos, denn von einem auf den anderen Tag kann sich alles ändern. Nichts ist ewig. Wichtig ist, dass wir uns für den Moment fit machen. Und dazu zählt natürlich auch, nicht zu verlottern, wenn wir im Home Office arbeiten. Klar, macht es Spaß den ganzen Tag im Schlafanzug vor dem Rechner zu sitzen, und bei Online-Meetings nur obenrum ein Hemd anzuziehen. Aber Strukturen brauchen wir nun mehr denn je. Niemand ist da, der uns überwacht und so müssen wir für uns selbst sorgen: Wecker stellen, duschen, anziehen, Kaffee trinken. Das darf sich auch in diesen Zeiten nicht ändern.

In der Naturheilkunde nennen wir diese Verhaltensweise Ordnungstherapie. Dazu gehört alles, was eine Lebenssituation strukturell und organisatorisch verbessert. Der bekannteste Vertreter der Ordnungstherapie war Sebastian Kneipp. Ihr wisst schon, der mit den kalten und warmen Fußbädern. Kneipps Ideologie war eine ausgewogene Ernährung, eine gesunde Körperwahrnehmung, Entspannung und eine ausgeglichene Psyche. Ein Leben im Gleichgewicht findet sich auch in anderen Therapieformen wie dem Ayurveda und der traditionellen chinesischen Medizin, über die wir das letzte Mal gesprochen haben wieder. In der traditionellen chinesischen Ernährungslehre widmet man sich den wichtigen Fragen nach dem Was, Wann, Wie und Wo man isst. Die Beantwortung dieser W-Fragen schafft Struktur, entschleunigt und regt zur Optimierung an.

Die Ordnungstherapie verläuft also nach einem ganz einfachen und logischen Prinzip: Es wird weggelassen, was zu viel ist und hinzuaddiert, was fehlt und zwar in Eigenregie. Das ist nicht immer leicht und verlangt den Willen des Betroffenen etwas ändern zu wollen, plus die Hoffnung durch Präventionen, die Lebensumstände in Zukunft zu verbessern. Also raus aus den Schlapperklamotten und lasst uns gestriegelt und gebürstet den Müll rausbringen.

Mit diesem Appell bin ich schon am Ende meiner lebensbejahenden Episode zum Thema Coronakrise. Die Herausforderungen bleiben uns noch eine Weile erhalten und natürlich gibt es auch Grund zur Sorge, aber lasst uns gemeinsam das Positive sehen, damit wir das Negative ertragen können. Bleibt alle gesund!

 

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