• Christine Sauer

Die aktuelle Diskussion über die Abschaffung des Heilpraktikers

Nach Informationen des ARD Magazins „Panorama“ erwägt die Bundesregierung den Heilpraktiker zu reformieren, inkl. einer möglichen Abschaffung. Nicht nur für Heilpraktiker wäre das eine Desaster, auch für 46 Millionen Patienten im Jahr. Ich möchte deshalb hierzu kurz Stellung nehmen und freue mich, wenn ihr meinen Artikel auf allen Medien teilt. Vorab: Ich selbst glaube nicht daran, dass er abgeschafft wird. Er wird evtl. reformiert werden, vielleicht wird es bald eine Schulpflicht geben, aber es wäre ein Desaster für alle Krankenkassen, würde er abgeschafft werden. Das kann sich Deutschland nicht leisten.


Unsere Prüfung ist hart


Ein Kritikpunkt der Bundesregierung ist u. A., dass sich unsere Ausbildung nicht an medizinischem Wissen orientieren würde und "Es wird nicht überprüft, ob und welche medizinischen Fachkenntnisse sie oder er nachweisen kann." Da frage ich mich doch, ob jeder automatisch weiß, was eine idiopathische thrombozytopenische Purpura ist, ohne sich den medizinischen Hintergrund reinzuprügeln oder warum die momentane Durchfallquote der Heilpraktikerprüfung 75% - 90% ist? Dies ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es bisher noch keine Ausbildungspflicht gibt und der ein oder andere zu glauben scheint, es dürfte kein sehr großes Ding werden. Pflanzenkunde, Globulis und bisschen Hokus Pokus kann ja wohl nicht so anspruchsvoll sein. Dass allerdings medizinische Kenntnisse abgefragt werden, wissen die wenigsten.


Aber nicht nur die Bundesregierung diskutiert die Abschaffung auch ein sogenannter Münsteraner Kreis plädiert dafür. Der Münsteraner Kreis, ist ein Zusammenschluss aus Medizinern. Ihr Memorandum erscheint mir ebenfalls etwas kurzsichtig, denn liest man sich den Artikel durch, dann wissen die Ärzte und Ärztinnen dieses Paktes wohl nicht, dass wir in Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie von einem Amtsarzt geprüft werden. Es wird von reinen Placebo-Effekten, von Spiritualität und Augenwischerei gesprochen und immer wieder wird auf die Homöopathie eingedroschen. Sie sei unwissenschaftlich, nutze das Vertrauen der Patienten aus und die Potenzen seien verunreinigt.


Wer heilt hat Recht


Ganz ehrlich, ich bin auch kein sehr großer Fan der Homöopathie. Ich weiß auch, dass da nichts Wirksames drin ist. Es sind Zuckerkügelchen trölf Millionen Mal verdünnt. Aber, who the fuck cares, wenn es hilft?! Ich kenne Pharmazeuten und Internisten, die Homöopathische Mittel einnehmen. Die werden ja wohl auch wissen, was da drin oder nicht drin ist und trotzdem helfen ihnen die Kügelchen. Wer heilt hat Recht, das Buch von Prof. Dr. med. Gottschling trifft den Nagel auf den Kopf. Gottschling sieht die Ausübung auch kritisch, aber zumindest sieht er auch die Vorzüge. Solange man keinen Schaden anrichtet und helfen kann, ist die Ausübung als Homöopath gerechtfertigt.


Ein Berufsbild soll sterben


Apropos Schaden anrichten. Darauf beziehen sich die Münsteraner nämlich auch. Es geht um unterlassene ärztliche Konsultationen. Patienten, die nur auf Heilpraktiker vertrauen, obwohl sie an Krebs erkrankt sind. Das diese Vorfälle schrecklich sind, muss ich als ehemalige Krebspatienten ja wohl kaum betonen. Es geht GAR nicht, wenn man einem Todkranken mit Vitamin B17 oder Mistelpräparaten Hoffnung macht, der Krebs würde dadurch verschwinden. Das ist schlicht weg Körperverletzung. Dass Krebsgeschwüre im fortgeschrittenen Stadium nur mit Chemotherapie, OP’s oder mit Bestrahlung zerstört werden können, hat einen Grund. Krebs ist eine der heimtückischsten, fiesesten und widerspenstigsten Erkrankungen unserer Zeit. Da helfen nun wirklich keine Globuli. Auch hätte man dieser armen Frau, wie im Artikel zur Sendung von Panorama erwähnt, keine Kochsalzlösung zur Bekämpfung ihrer Krampfadern spritzen dürfen. Aber warum, wird deshalb das gesamte Berufsbild des Heilpraktikers in Frage gestellt? Ich bilde doch auch keinen Arbeitskreis um Lehrer abzuschaffen, nur weil mein Erdkundelehrer ständig besoffen war. Menschen machen Fehler und schwarze Schafe gibt es überall, auch unter Ärzten.


Behandlungsmethoden der Heilpraktiker


Ich möchte mal gerne eine Statistik sehen, die aufzeigt, wie viele Kunstfehler, von Ärzten versursacht, einem Patienten das Leben gekostet haben und wie viele Heilpraktiker Menschenleben auf dem Gewissen haben? Außerdem, liebe Münsteraner, sind wir Heilpraktiker nicht alle Homöopathen. Homöopathie ist EINE Behandlungsmethode und nicht jeder von uns spezialisiert sich darauf. Ich für meinen Teil habe Gefallen an orthomolekularer Medizin und der Pflanzenheilkunde, da die Untersuchung der sekundären Pflanzenwirkstoffe sehr wohl wissenschaftlich fundiert ist. Ich interessiere mich außerdem für Ernährungslehre, dem Fach, das Mediziner leider nicht im Studium belegen können, obwohl Inhaltsstoffe und Wirkung unserer Nahrung einen großen Einfluss auf unsere körperliche Verfassung haben. Ich kann verstehen, dass da draußen Angst herrscht, Heilpraktiker würden den Patienten durch eine unzureichende Ausbildung Schaden zufügen. Aber wem bitte schadet es, wenn man sich viel Zeit nimmt, der Person zuhört, all seine Schwachstellen erforscht und Mediakamenten-Einnahmen kritisch hinterfragt?


Sei wachsam!


Ein Freund von mir hat gerade erst gestern erzählt, dass er von seinem HNO Arzt Amitryptylin verschrieben bekam. Amitryptylin ist ein sehr wirksames und ein sehr altes Antidepressiva. Man verschreibt es außerdem Patienten mit Fibromyalgie. Das ist eine Erkrankung ohne erkennbare Ursache, bei der man am ganzen Körper Muskelschmerzen hat. Die Sache ist nur... er ging zu seinem Arzt, um ihm von seiner Kieferverspannung und nächtlichem Knirschen zu erzählen. Amitryptylin? Really? Bei den gestressten Ärzten geht also auch mal was schief, das liegt doch auch nicht am Berufsbild des Arztes. Das bedeutet nur, ich als Patient muss immer wachsam sein und mitdenken. Vielleicht haben die Münsteraner ja Angst, die Heilpraktiker könnten ihnen die Butter vom Brot klauen. Ach ne, Butter verstopft ja die Arterien. Aber was weiß ich denn schon?!

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