• Christine Sauer

Du hast Nerven!

Aktualisiert: Jan 23

Vor ein paar Wochen habe ich über das EKG Bild und die Funktionsleistung unseres Herzens geschrieben. In diesem Blogeintrag möchte ich nochmal auf das Herz und sein Verhältnis zum Vagusnerv eingehen, da mich das unglaublich beeindruckt.

Der menschliche Körper besitzt 100 Millarden Nervenzellen, die Informationen vom Gehirn zu den Organen und wieder zurück transportieren. Einer der wichtigsten Nerven ist der Vagusnerv.


Ein Nerv des Parasympathikus


Seit 1872 ist der Vagusnerv als der 10. Hirnnerv bekannt und steuert nahezu alle inneren Organe. Er ist der größte Nerv des Parasympathikus. Der Parasympathikus wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet und ist Teil des vegetativen Nervensystems, das einer autonomen, unwillkürlichen Steuerung unserer Organe unterliegt.

Das Wort Vagus kommt vom lateinischen vagari und bedeutet „umherschweifend“. Das kann man sich ganz gut merken, denn im Unterschied zu den anderen Hirnnerven, zieht sich der Vagusnerv durch den gesamten Körper und kontrolliert u. A. folgende Körperfunktionen:


· Atmung

· Sprechen

· Schlucken

· Herzrhythmus

· Blutdruck

· Hören

· Schmecken

· Blutzirkulation

· Verdauung

· Blasenfunktion

· Fruchtbarkeit

· Orgasmen


Der Vagusnerv verschafft uns außerdem Zugang zu Hirnarealen, die verantwortlich sind für Kreativität oder das Erkennen komplexer Zusammenhänge. Ohne ihn könnten wir nur primitive Instinkte, wie Angst, Kampf- und Fluchtreaktionen steuern. Der Vagusnerv nimmt in unserem Körper außerdem großen Einfluss auf die glatte Muskulatur des Magen- und Darmtrakts, der Atmungsorgane, Niere, Milz und Eierstöcke bzw. Hoden. Und natürlich beeinflusst er, wie oben erwähnt, unsere Herzmuskulatur. Stress, Rauchen, Alkohol, schlechte Ernährung, mangelnde Bewegung und Übermüdung hemmen seine Funktion und können zu einer ganzen Reihe von Erkrankungen führen:


· Depressionen

· Adipositas

· Verdauungsstörungen

· Nierenschäden

· Diabetes

· Chronische Entzündungen

· Unfruchtbarkeit

· Parkinson

· Bluthochdruck

· Herzerkrankungen


Positive Beeinflussung des Vagusnervs


Aber wenn man etwas negativ beeinflussen kann, dann gibt es glücklicherweise auch den Umkehrschluss der positiven Beeinflussung! Zum einen geht das über elektronische Impulse, beeinflusst durch ein Implantat, um beispielsweise Depressionen zu lindern. Oder aber auf natürlichem Wege.

Bei der paroxysmalen Tachykardie, einer Herzerkrankung, die anfallsartig auftritt und eine Herzrhythmusstörung zur Folge hat, bestehen die Erste-Hilfe-Maßnahmen darin, den Nervus Vagus zu reizen, um die Herzfrequenz auf ein normales Level runterzufahren. Dies macht man beispielsweise, indem man kaltes Wasser trinkt. Dadurch werden die Vagusnerven im Magen angesprochen, was beruhigend wirkt. Auch kann ein Druck auf die rechte oder linke Halsschlagader zu einer reflektorischen Senkung des Blutdrucks führen und den Herzschlag verlangsamen. Allerdings sollte man das nur durch einen erfahrenen Ersthelfer auslösen, denn es kann hierbei auch zum Herzstillstand kommen. Ein leichter Druck auf beide Augäpfel oder ein leichtes In-die-Nase-pusten, während man sie zuhält, kann zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Das letzte Manöver kennt man auch vom Druckausgleich während eines Fluges oder vom Tauchen.


Prävention schaffen


Nicht nur bei bereits entstanden Erkrankungen ist eine Vagusreizung sinnvoll, wir können seine Reizung auch zur Prävention nutzen. Wenn der Vagusnerv eine Powerstation wäre, dann wäre Yoga, Meditation, kaltes Wasser, Lachen, Singen, Umarmungen, Massagen und vor allem Atemübungen der Treibstoff. Während sich unser Atem beruhigt, beruhigt sich auch unser Herzrhythmus. Alle Organe bekommen nun die Ansage, sich zu entspannen, auch unser Gehirn. Und wenn das Hirn überzeugt ist, dann sind wir gänzlich relaxt.

Die tollste Atemübung, die ich selbst immer anwende, um besser einzuschlafen, ist die 4-7-8 Übung. Unter diesem Link wird gut erklärt, wie sie funktioniert. Probiert es doch mal aus!

 

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