• Christine Sauer

Ewige Jugend durch Telomerase

Aktualisiert: Jan 23

Das Haar wird licht und erste Fältchen machen sich bemerkbar. Wir sind jetzt 30 und hegen das erste Mal den Wunsch nach ewiger Jugend. Mit 50 Jahren erinnert uns die Schwerkraft daran, dass Bindegewebe nicht nur um Gesicht baumeln kann und unser kleines Bäuchlein ist jetzt viel schwieriger zu bekämpfen, als noch mit Mitte 20. Mit 60 kommt die doofe Arthrose hinzu. Es knirscht im Gebälk und außerdem müssen wir nun auf unsere Cholesterinwerte achten, um keine Arteriosklerose zu bekommen. Wer bis jetzt noch nicht das Rauchen aufgeben hat, merkt was er seinem Körper die Jahre über angetan hat. Wie schön wäre es also, wenn wir wie in Science Fiction Filmen einen Verjüngungstrunk zu uns nehmen könnten. Gluck, gluck, gluck und wir sind frisch, knackig, rundum schlank und gesund.


Die Entdeckung


Telomere und Telomerase am Chromosom

Leider gibt es bisher noch keine Möglichkeit unseren Alterungsprozess rückgängig zu machen kann, aber wir können ihn ein bisschen verzögern. Die Molekularbiologin und Nobelpreisträgerin, Prof. Dr. Elisabeth Blackburn entdeckte gemeinsam mit ihrer Partnerin Carol Greider 1984 die Telomere. Telomere sind die Bezeichnung für die Endungen unserer Chromosome. Sie haben die Funktion einer Schutzkappe und nutzen sich mit jeder Zellteilung ein wenig ab. Die Telomere eines 35 Jährigen, messen in etwa nur noch die Hälfte der Ursprungslänge. Doch obwohl die Telomerlänge mit dem Alter abnimmt, gibt sie keinen Hinweis auf das absolute Alter, denn es gibt noch eine zweite Entdeckung der beiden Forscherinnen: die Telomerase. Als Enzym getarnt, dient sie als Reparaturwerkstatt für die verkümmerten Telomere, indem sie die verkürzten Enden wieder anstrickt. Das beste an der Entdeckung von Elisabeth und Carol, die ganz nebenbei erwähnt auch noch den UNESCO-Preis für „Frauen in der Wissenschaft“ gewannen, ist, dass wir eine reibungslose Telomerase mit einem gesunden Lebensstil beeinflussen können. Somit besitzen wir nicht nur ein absolutes, sondern auch ein biologisches Alter. Wer hätte also Gedacht, dass der Satz: „Ich bin so alt, wie ich mich fühle.“ nun viel mehr Sinn ergibt?!


Die Studie


Die Forscherinnen untersuchten insgesamt 58 Frauen, von denen 19 gesunde Kinder und 39 chronisch kranke Kinder versorgten. Die Mütter, der chronisch kranken Kinder hatten kürzere Telomere und ein geschwächtes Immunsystem, was ein deutlicher Hinweis auf den Einfluss der Psyche auf ihren Gesundheitszustand gab. Dies könnte ein Durchbruch in der Medizin bedeuten, um das Zusammenwirken von Körper und Geist endlich wissenschaftlich zu machen.


Unser positiver Einfluss


Stress zu vermeiden ist nicht immer leicht. Die Mütter der chronisch kranken Kinder haben keine andere Wahl, als sich mit der Situation abzufinden. Und auch der Rest von uns muss sich hin und wieder mit schlimmen Ereignissen arrangieren. Dennoch können wir einige Stressfaktoren in unserem Leben abschalten, denn mit Stress sind nicht nur Schicksalsschläge gemeint. Ein ungesunder Lebensstil, Arbeitsstress, Rauchen, zu viel Zucker, Alkohol, wenig Bewegung, das alles kann unsere Telomere deutlich verkürzen.


Einsamkeit, traumatische Erlebnisse oder Zynismus als negatives Denkmuster stressen uns.

Auch Einsamkeit, traumatische Erlebnisse oder Zynismus als negatives Denkmuster stressen uns. Wieso stellen wir uns also nicht unseren Problemen oder suchen uns psychologische Unterstützung? Ist es wirklich immer noch so, dass nur Verrückte zum Psychologen rennen? Oder wollen wir unsere Dämonen lieber noch ein bisschen schlafen lassen und warten bis sie gestärkt erwachen, um uns Guten Tag zu sagen?


Was die Zukunft bringt


Zur Zeit beschäftigt sich Dr. Blackburn in einer Studie mit Demenzkranken, um herauszufinden wie sich emotionaler Stress auf unsere Telomere auswirkt. Wir können also gespannt sein, was sie herausfinden wird!

 

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