• Christine Sauer

Eine Verjüngungskur namens Fasten

Detoxing, Sirtuine, Ketonkörper, Lipolyse - was passiert in unserem Körper wenn wir fasten?


Wer von euch schon mal gefastet hat, der weiß wie hart die ersten Tage sein können, und auch wie erstaunlich gut man sich fühlt, sobald das Fasten-High eintritt. Wer noch keine Erfahrung hat, aber schon immer mal fasten wollte, dem empfehle ich diesen Artikel. Hier erfahrt ihr:

  • Warum Fasten so gesund ist.

  • Wie Fasten auf unseren Körper wirkt.

  • Wie man Fasten imitieren kann.

  • Wer vielleicht lieber nicht Fasten sollte.

Was ihr hier nicht findet werdet, ist eine Anleitung zum Fasten. Ich bin ein großer Fan von betreutem Fasten durch einen Arzt, sofern es sich nicht um Intervallfasten handelt. Beim Intervallfasten setzt man sich einer entspannteren Nahrungskarenz von 12 – 16 Stunden aus. Das kann jeder machen.


Warum Fasten so gesund ist


Ob ein über mehrere Tage andauerndes Fasten oder Intervallfasten, Forschungen belegen, dass es sich lohnen kann durchzuhalten. Fasten senkt den Blutdruck, den Puls und den Cholesterinspiegel. Magen und Darm werden entlastet, das Mikrobiom (unsere Darmbakterien) können sich in ihrer Vielfalt neu bilden, abgestorbenes Zellmaterial wird entsorgt, die Niere erhöht ihren Entgiftungsmechanismus, die Bauchspeicheldrüse reduziert die Insulinproduktion und kann sich regenerieren und Entzündungsprozesse, wie Rheuma und Arthritis werden gehemmt.


Was passiert im Körper wenn wir fasten?


Wenn wir fasten, verbrennt unser Körper die ersten beiden Tage erstmal nur die restlichen Kohlenhydrate, die wir zu uns genommen haben, um daraus Energie zu gewinnen. Das geschieht in der Leber, denn dort wird der Zucker (Glukose) als Glykogen gespeichert und bei Nahrungsverknappung durch die Hormone unserer Bauchspeicheldrüse wieder zu Glukose aktiviert. Etwa an Tag 3, manchmal auch früher, beginnt der Körper Energie aus der Glykoneogenese zu gewinnen, und ab da geht es auch mit der Stimmung bergauf: das Fasten-High tritt ein. Das Wort Glykoneogenese stammt aus dem Griechischen und kann unterteilt werden in:


Glyko = Zucker

Neo = neu

Genese = Bildung


Bei der Glykoneogenese werden in einem komplizierten Prozess Eiweiße abgebaut, um daraus Glykose herzustellen. Parallel findet die Lipolyse statt, bei der der Körper zusätzlich aus der Fettverbrennung Energie gewinnt. Das geschieht übrigens nicht nur während des Fastens, sondern auch nachts, wenn wir schlafen. Auf diese Weise, werden fast alle Organe gut versorgt, bis auf unser Gehirn, das nur aus Glukose Energie gewinnen kann. Es muss sich also anderweitig Energie bei einer Nahrungskarenz beschaffen. Und tatsächlich verfügt unser Körper auch hier über einen ausgeklügelten Mechanismus. Während der Fettverbrennung fallen Ketonkörper an. Diese Ketonkörper dienen als Ersatzstoffe für Glykose, die das Gehirn verbrennen kann und verhindern einen zu großen Eiweißabbau während der Gluconeogenese. Die Verbrennung von Ketonkörper riecht sehr stark, da hier Aceton freigesetzt wird. Diesen sauren Atem kann man bei Fastenden oder schlecht eingestellten Diabetes Typ I Patienten wahrnehmen.

Während wir also beim Fasten schön fleißig Ketonkörper und Fett verbrennen, entsteht die sogenannte Autophagie, was quasi einer Entgiftung oder dem Modewort Detoxing entspricht. Tatsächlich handelt es sich hierbei um die Zellreparatur und Zellselbstreinigung, die beim Fasten gefördert wird. Der Körper ist nicht mit lästigem Verdauen beschäftigt und kann sich voll und ganz auf die Reinigung konzentrieren.


Fasten kann man imitieren


Die Lipolyse und somit die Entstehung von Ketonkörper kann auch über den Verzehr von mittelkettigen Fettsäuren, sogenannten MCT’s in erhöhtem Maße angeregt werden. MCT’s befinden sich u. A. in Kokosöl. Dieses Grundprinzip macht sich die ketogene Ernährung, eine Form der Low Carb Diät, zu nutze, denn ein Anstieg von Ketonkörpern steigert nicht nur die Fettverbrennung, sondern sorgt auch für weniger Hungergefühl. Eine Diät mit Sirt-Food dagegen setzt darauf, chemische Verbindungen sekundärer Pflanzenstoffe, als zellerneuernde und antioxidative Stoffe zu nutzen. Das Lycopin in der Tomate, das Catechin in der Kakaobohne oder das Resveratol in der Traube dienen den Pflanzen als Abwehrstoffe und haben auch auf uns Menschen unglaublich viele positive Eigenschaften. Sie schützen unsere Gefäße, wirken antiinflamatorisch und karzinoprotektiv. Laut der pharmazeutischen Zeitung, hat Resveratol die gleichen antioxidativen Wirkungsmechanismen, wie eine Kalorienrestriktion.


Fasten ist nicht für jeden geeignet


Aber Vorsicht ist trotzdem geboten. Kinder, Schwangere und Menschen, die beispielsweise an Anorexia nervosa leiden, sollten unter keinen Umständen fasten. Außerdem vertragen einige eine radikale Fastendiät schlicht weg nicht. Ich gehöre dazu. Da die Umstellung von der Glukoseverbrennung auf Ketonkörperverbrennung Zeit braucht, kann es beim Fasten zu einer Unterzuckerung kommen, die höchst gefährlich ist. Die in der Medizin als Hypoglykämie bezeichnete Unterzuckerung, kann zu einem Koma führen und das Gehirn schädigen. Ich empfehle somit für alle Neueinsteiger, eine begleitende Fastenzeit, am besten in einer Klinik. Oder man entscheidet sich für die schonendere, wenn auch nicht weniger wirksame Methode des Intervallfastens. Hierzu kann ich euch das Buch von Dr. Petra Pracht empfehlen.

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