• Christine Sauer

Leaky-Gut-Syndrom

Aktualisiert: Jan 23

Der Darm ist eines unserer wichtigsten Organe. Über ihn nehmen wir die zugeführten Nährstoffe auf. Vitamin B12 zum Beispiel, das wichtig für unsere Blutbildung ist. Speziell der Dünndarm nimmt mit seinen 5 Metern Länge einen großen Teil der Bauchhöhle ein. Er biegt und windet sich bis er in den Dickdarm übergeht. Das hat einen triftigen Grund: Wäre der Dünndarm ein Fallrohr, könnte er in der kurzen Zeit die Nährstoffe gar nicht resorbieren.


Aber was, wenn der Darm aus dem Gleichgewicht gerät? Kann es sein, dass nicht nur harmlose Symptome wie Blähungen oder Völlegefühle die Folgen sind, sondern auch chronische Leiden oder gar Darmkrebs? Leider erkranken in letzter Zeit immer mehr jüngere Menschen an Darmkrebs. Dies veröffentlichte das Fachmagazin „Gut“ aufgrund einer Studie der US-amerikanischen Krebsgesellschaft. 43 Länder waren an den Ergebnissen beteiligt. Über die genauen Ursachen wurde nichts bekannt, man vermute aber die Tendenz zu Übergewicht.


Ja, sicherlich ist die Neigung zu Übergewicht einer der Gründe für die gestiegene Anzahl an Krebserkrankungen. Das innere Bauchfett kann sehr gefährlich sein. Aber gibt es nicht vielleicht noch mindestens eine weitere Erklärung, die vielleicht sogar (noch) nicht aus der Schulmedizin kommt?


In diesem Beitrag erfahrt ihr alles über:


· Was ist Leaky-Gut?

· Wie erfahre ich, ob ich daran leide?

· Was kann ich dagegen tun?


Was ist Leaky Gut?


Leaky-Gut-Syndrom klingt erstmal gar nicht cool. Leaky kommt von dem englischen Wort für „undicht“. Also handelt es sich hier um einen undichten Darm? Genau das. Das Leaky-Gut-Syndrom wird definiert als eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand. Die schmalen Membranbänder der Darmzellen, die sogenannten Tight Junctions, sorgen dafür, dass die Schleimhautzellen eine Barriere bilden, sie sind dicht. Sie können aber auch durchlässig sein und selektiv Nahrungsbestandteile wie Wasser, Elektrolyte und Ionen durchlassen. Tight Junctions bilden mal losere, mal dichtere Barrieren. Die Tight Junctions des Dünndarms sind beispielsweise 10.000 mal durchlässiger für Ionen als die der Harnblase. Wenn allerdings die Permeabilität (Durchlässigkeit) so hoch ist, dass auch Giftstoffe, Pilze und unverdaute Partikel durchtreten, kann das gefährlich werden.


Tight Junctions

Das Leaky-Gut-Syndrom ist durch die Integrative Medizin bekannt geworden. Noch gibt es aufgrund eines Mangels an wissenschaftlichen Studien, keine offizielle Anerkennung des Krankheitsbildes. Einigen medizinischen Fachblättern stößt der Begriff sauer auf. Sie halten nichts von einer erhöhten permeablen Dünndarmwand als Ursache einiger chronischer Leiden, wie Blähungen, Durchfall, Hauterkrankungen, Rheuma, Arthritis, Nahrungsmittel-intoleranzen, Asthma oder Migräne. Fakt ist jedoch, dass es chronische Erkrankungen gibt, die eine erhöhte durchlässige Darmwand aufweisen. So kommt dies bei Morbus Crohn, Zöliakie oder Reizdarm vor. Die Frage, ob die Darmdurchlässigkeit eine Folge oder die Ursache ist, ist noch ungeklärt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass auch das Leaky-Gut-Syndrom keine Ursache ist, sondern eben ein Syndrom. Ein Syndrom ist definiert als die Ansammlung verschiedener Symptome, die typischer Weise gemeinsam auftreten. Die Ursache des Syndroms wäre am Beispiel von Leaky-Gut das Ungleichgewicht der Darmflora (Dysbiose) durch Pilze, Bakterien oder Viren.


Kann man also sagen, Leaky-Gut existiert nicht, nur weil es noch keine diagnostischen Beweise gibt? Mit Sicherheit wäre es besser mehr darüber erfahren zu wollen, als das Leaky-Gut-Syndrom direkt als Humbug abzustempeln. Vielleicht gibt es ja sogar einen Zusammenhang zwischen Leaky-Gut und einem bereits bekannten Krankheitsbild, dem Malassimulationssyndrom. Das Malassimulationssyndrom ist die fehlende Nutzbarkeit von durch die Nahrung aufgenommenen Substraten, entweder durch fehlende enzymatische Aufspaltung oder aufgrund einer Resorptionsstörung. Liegt eine Störung der Nahrungsaufnahme durch fehlenden Enzyme vor, spricht man von einer Maldigestion (z. B. bei der Laktoseintoleranz). Geht es um eine schlechte Nahrungsaufnahme durch ein mangelhaftes "Aufsaugen" von Nährstoffen, spricht man von Malabsorption (z. B. bei Durchfall). Auch das Malassimulationssyndrom kommt bei Zöliakie, Morbus Crohn oder Mukoviszidose vor. Was wenn die mangelhafte Nährstoffaufnahme durch Leaky-Gut begünstigt würde?


Wie erfahre ich, ob ich an Leaky-Gut leide?


Momentan gibt es zwei gängige Tests. Das ist zum einen der Zonulin-Test. Zonulin ist ein Eiweißmolekül, das an der Regulation der Tight Junctions beteiligt ist. Der Test kann einen Hinweis auf eine erhöhte Darmdurchlässigkeit geben. Er steht allerdings in der Kritik, da aufgrund der Komplexität der Darmtätigkeit eine zuverlässige Aussage, die allein auf das Zonulin zurückzuführen ist, nicht gegeben ist.

Als weiteren Nachweis könnte der Lactulose-Mannitol-Test helfen. Hier nimmt der Patient eine Lösung ein, die den Zweifachzucker Lactulose (nicht Laktose!) und den Zuckeralkohol Mannitol enthält. Anschließend wird der Urin untersucht. Enthält der Urin einen unüblichen Anteil der beiden Stoffe, kann dies ein weiterer Hinweis sein.


Was kann ich dagegen tun?


Generell muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich noch keine ausgebildete Heilpraktikerin bin und die hier zur Verfügung gestellten Informationen keine Untersuchung oder Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker ersetzen. Mein Artikel dient euch nur als Impulsgebung zu einer Gesundheitsvorsorge. Wer die Empfehlungen anwendet, tut dies in eigener Verantwortung.


Um unseren Darm zu unterstützen, sollte allem voran ein Aufbau der Darmflora mit verschiedenen Bakterienstämmen (Bifidobakterien, Laktobazillen) und Mikronährstoffen erfolgen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Schleimstoffe wie, Leinsamen oder Flohsamen können helfen, die Darmschleimhaut zu stärken. Außerdem sind probiotische und präbiotische Lebensmittel zu empfehlen. Präbiotika sind das Futter der Probiotika (Darmbakterien). Ich habe euch meine Instagram-Beiträge dazu verlinkt. Beispielsweise enthält der Wiesenbocksbart sehr viel Inulin, das ein Präbiotikum ist.


Fazit


Ich kann nicht wirklich sagen, ob es so etwas wie das Leaky-Gut-Syndrom gibt, aber ich bin überzeugt, dass viele Erkrankungen auf einen nicht-intakten Darm zurückzuführen sind. In unserem Darm sitzt 80% unseres Immunsystems, der Peyers-Plaque. Er enthält eine Ansammlung von Lymphfollikeln. Funktioniert unser Darm nicht so, wie er es sollte, sind wir nicht ausreichend geschützt. Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann man seinem Darm, sehr viel Gutes tun. Leaky-Gut-Syndrom hin oder her, der Darm ist unsere Defense. Behandelt ihn gut!

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