• Christine Sauer

Mind-Body-Medizin

Ein Bestseller verändert die Sichtweise


Der Kardiologe Herbert Benson, Gründer der Mind-Body-Medizin und ehemaliger Leiter des Benson-Henry-Institute der Harvard Medical School, staunte sicher nicht schlecht, als sein Buch The Relaxation Response in den 70er Jahren zum Bestseller wurde. Das Buch beschreibt eine von Benson entwickelte Methode gegen Stress und ihre Wirkung auf die körperliche Verfassung. Bensons Technik, die einer Ableitung der Meditation aus dem indischen Yoga entsprach, reduzierte bei seinen Probanden Blutdruck, Herzfrequenz, lies Kortisolwerte sinken und Hirnaktivitäten beruhigen. Mit diesen Ergebnissen begeisterte er eine ganze Nation und verschaffte sich, selbst unter Kritikern, großen Respekt.


Es ist Benson, dem wir es zu verdanken haben, dass sich Mediziner zunehmend wissenschaftlich mit dem Einklang von Körper und Geist beschäftigen. Im angloamerikanischen Raum nimmt die MBM bereits einen großen Platz im Medizinstudium ein. Und auch an vereinzelten deutschen Universitäten, können Medizinstudenten das Wahlfach MBM mit Themen, wie Achtsamkeit, Empathie, Placebo-Nocebo oder Salutogenese (ein Konzept zur Entstehung von Gesundheit) belegen.


Bensons Methode, die auch heute gerne noch angewendet wird, umfasst eine 10 – 20 minütige Meditation, bei der man ein Wort oder Gebet unentwegt wiederholt und somit anderen (negativen) Gedanken keine Beachtung schenkt. Aber MBM ist viel mehr als das. Sie beschäftigt sich nicht nur mit dem wechselseitigen Einfluss von Körper und Geist, sondern kann außerdem bei der Suche nach dem Sinn des Lebens behilflich sein. Ganz oben auf der Agenda stehen Praktiken zur Stressreduktion, Achtsamkeitsübungen oder die moderne Ordnungstherapie. Auch Yoga, Ernährungslehre, Sport, Meditationsformen und Verhaltensmodifikationen zur Erkennung eines negativen Selbstbildes gehören zur Mind-Body-Medizin.


Achtsamkeitsübung


Nun, da ihr wisst, was MBM bedeutet, möchte ich mit euch eine leichte Achtsamkeitsübung machen. Achtsamkeit bedeutet mit vollem Bewusstsein, im Hier und Jetzt urteilsfrei zu leben. Dazu kann man sich eine der vier edlen Wahrheiten aus dem Buddhismus auf der Zunge zergehen lassen: die Entstehung des Leidens durch Anhaftung und Ablehnung, auch bekannt als Abhängigkeit und Verurteilung. Die Elimination beider Eigenschaften, ist die Königsdisziplin einer harmonischen Grundhaltung, die den Umgang mit Schmerz, Enttäuschung oder Krankheit erleichtert und eine Akzeptanz des Nicht-Veränderbaren schafft.


Meine Lieblingsübung zur Beruhigung des Vagusnervs, habe ich euch im Artikel Du hast Nerven bereits erklärt. Zur Wiederholung: es handelte sich um eine Atemtechnik, die den 10. Hirnnerv, und damit den gesamten Organismus beeinflusst. Es geht aber auch ohne die Konzentration auf unseren Atem. Wir wollen lernen im Moment zu leben, und dazu müssen wir verlernen mit unseren Gedanken abzuschweifen.

Wenn ihr also das nächste Mal von A nach B lauft, dann versucht euch für etwa 100 Meter ausschließlich auf Geräusche eurer Umgebung zu konzentrieren. Ihr hört die fahrenden Autos, den in der Ferne bellenden Hund, die spielenden Kinder im Park und vielleicht könnt ihr den ein oder anderen Vogel wahrnehmen.

Anschließend konzentriert ihr euch die nächsten 100 Meter auf Gerüche. Riecht ihr die Abgase oder vielleicht die frisch gebackene Brötchen des Bäckers, an dem ihr gerade vorbeigelaufen seid? Was ist mit dem Parfüm der Passantin, die vor euch läuft? Habt ihr auch diese 100 Meter gemeistert, schaut ihr euch eure Umgebung an. Am Horizont bahnt sich eine dunkle Regenfront an, euch ist noch nie aufgefallen, dass der Mann mit den Segelohren immer um dieselbe Zeit eine Zigarette vor seinem Kiosk raucht. Und zu guter Letzt, was spürt ihr die letzten 100 Meter unter euren Füßen, Asphalt, Gras, ein Stein-chen in eurem Schuh?


Wer diese Übung einige 100 Meter zu Fuß durchhält, wird feststellen, dass er sich danach wohler fühlt. Während einer Meditation entkoppeln wir Anspannung von unserem Körper und fühlen eine anschließende Entlastung. Es ist nicht ganz einfach, auch für mich nicht, aber wie mit allem, wird man von mal zu mal besser. Also nicht entmutigen lassen, jeder kann Meditieren, man muss nur die für sich passende Meditation finden und etwas Geduld.

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