• Christine Sauer

Unser Säure-Basen-Haushalt - ein Überblick

Aktualisiert: Apr 23

Seit einiger Zeit wohne ich inmitten der Frankfurter Innenstadt und freue mich jeden Tag darüber, dass unweit von meinen Vierwänden das nächste Reformhaus auf mich wartet. Dort kann man jede Menge gesunde basenreiche Pülverchen erwerben. Aber wieso sollte man die eigentlich kaufen und was bewirken sie?


Was ihr in diesem Artikel alles erfahrt:

  • wie unser Säure-Basen-Haushalt funktioniert

  • was eine akute oder latente Übersäuerung ist

  • was wir selbst tun können

  • einige Beispiele basischer und saurer Lebensmittel


pH-Wert und Säure-Basen-Haushalt


Reines Wasser ist neutral und hat einen pH-Wert von 7. Unser Blut dagegen hat einen pH-Wert von 7,4 und ist somit leicht basisch. Fällt der pH-Wert des Blutes auf unter 7,37 spricht man von einer Azidose (Übersäuerung) und steigt er auf über 7,45 spricht man von einer Alkalose.

Der Säure-Basen-Haushalt ist ein komplexes Zusammenspiel. Gerät unser Körper aus dem Gleichgewicht drohen ein gestörter Nähr- und Sauerstofftransport, eine instabile Zellmembran und eine beeinträchtigte Tätigkeit von Enzymen und Hormonen. Um das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen stets aufrecht zu halten, besitzen wir Schutzmechanismen bzw. Puffersysteme.


Die Regulation über die Atmung (Bicarbonat-Puffer)


Das wichtigste Puffersystem im Körper ist der Bicarbonat-Puffer. Er lässt sich in dieser kompliziert aussehenden, aber leicht zu verstehende Formel zusammenfassen:


CO2 + H2O < > H2CO3 < > HCO­- + H+


Die Formel besagt, dass sich das im Blut befindliche Kohlendioxid (CO2) m­it Wasser (H2O) verbindet und zu Kohlensäure (H2CO3) wird, die wiederum in Bicabornat (HCO­-) und Wasserstoff (H+) zerfällt. Je mehr Wasserstoff-Ionen in einer Lösung enthalten sind, desto saurer ist sie. Bicarbonat dagegen ist basisch. Unser Blut enthält einen recht hohen Bicarbonat-Spiegel, der Säure im Blut abfängt und neutralisiert.

Das Phänomen kennt man auch vom Kochen. Hat man zu viel Zitronensäure an das Salatdressing gemacht, kann man mit Natron (Natriumbicarbonat) die Soße wieder neutralisieren.

Bicarbonat verbindet sich gerne mit Wasserstoff und wird ebenfalls zu Kohlensäure, die in unserem Körper nicht bestehen bleibt, zum Glück, sonst würden wir implodieren. Vielmehr zerfällt sie direkt wieder und wird zu Wasser und Kohlendioxid. Das Kohlendioxid können wir anschließend über unsere Lungen abatmen.


Die Formel funktioniert also in beide Richtungen!


Haben wir nun eine Lungenerkrankung, wird der Gasaustausch in unseren Lungenbläschen gestört, wir können weniger Kohlendioxid abatmen und unser Blut übersäuert. Wir bekommen eine akute Azidose, die ein Fall für die Intensivstation ist. Umgekehrt können wir bei einer zu hohen Atmung, z. B. bei einer angstverursachten Hyperventilation, zu viel Kohlendioxid abatmen und leiden dann an einer Alkalose. Die können wir aber ganz leicht regulieren, indem wir in eine Tüte atmen! Diese beiden Fälle sind jedoch sehr extrem.


Die Regulation über den Stoffwechsel


Meist handelt es sich bei einem Ungleichgewicht um eine latente Übersäuerung, die sich über Jahre hinweg entwickelt und zu einem langsamen Abbau von Vitalität und Wohlbefinden führt. Mögliche Symptome können Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden, Mundgeruch, Hautprobleme, Muskelabbau, Durchblutungsstörungen, Rückschmerzen, chronische Müdigkeit und Osteoporose sein. Die Ursache hat meist mit einer modernen Ernährung- und Lebensweise zu tun, denn auch unsere Nieren, sowie Magen und Darm können den Säure-Basen-Haushalt regulieren.

Sind wir dauergestresst und ernähren wir uns nur von Chips, Cola, rotem Fleisch oder Süßigkeiten und bewegen wir uns kaum, dann bildet unser Körper zu viel Säure und kann diese Säure nicht richtig ausleiten.


Können nun eigentlich die anfangs erwähnten Basenpülverchen dazu dienen, diese überschüssige Säure besser auszuleiten?


Was wir tun können


Fest steht, dass wir zu allererst testen lassen sollten, ob es wirklich an einer Übersäuerung liegt, wenn wir uns schlecht fühlen, oder ob eine andere Erkrankung dahinterstecken könnte. Dazu ist es notwendig einen Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen.

Vorab könnte zusätzlich ein Urin-Teststreifen ein bisschen Licht ins Dunkle bringen. Die Niere ist bei einer latenten Azidose übermäßig beansprucht und so würde man bei einer üblichen Mischkost einen deutlich niedrigeren pH-Wert erkennen, als bei einer ausgewogenen Ernährung. Dazu sei allerdings gesagt, dass der Urin-Teststreifen für eine Diagnose nicht ausreicht und die Messung nur eine Momentaufnahme ist. Der Arzt dagegen entnimmt ein bisschen Blut aus einer Arterie und bestimmt u. A. den BE (Basenüberschuss). Dieser gibt an, ob sich zu viele oder zu wenige basische Stoffe in unserem Blut befinden. Auch der pH-Wert kann bei einer latenten Azidose als leichte Verschiebung aus dem Toleranzbereich festgestellt werden.

Handelt es sich also nicht um eine respiratorische Insuffizienz (Lungenerkrankung) und um keine akute metabolische Azidose (stoffwechselbedingt), dann können wir mit einer ausgewogenen Ernährung eine leichte Übersäuerung in den Griff bekommen.

Dazu ist es in erster Linie äußerst wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Wasser verhilft unserem Körper, den Säureüberschuss nicht nur über den Harn, sondern auch über Schweiß und Stuhl auszuscheiden.

Ein paar pH-Werte aus unserem Alltag

Eine basenreiche Kost kann helfen das Gleichgewicht unseres Säure-Basen-Haushalts wiederherzustellen und sollte über drei Monate hinweg eingehalten werden. Wer sich nun fragt, was genau denn basische Lebensmitteln sind, der kann sich an Nährwerttabellen halten, z. B. an die von der Basenbande. Generell gilt, Lebensmittel, die basische Mineralstoffe (Magnesium, Kalzium und Kalium) und Spurenelemente (Zink) liefern, zählen dazu.


Der Geschmack von Gemüse oder Obst, gibt leider keinen Hinweis auf einen Säure- oder Basengehalt. So wirkt die Zitrone im Magen sauer, wird aber basisch verstoffwechselt.


Beispiele stark basischer Lebensmittel sind

· Brennnessel

· Löwenzahn

· Grünkohl

· Spinat

· Fenchel

· Pilze

· Kräuter

· Mandeln


Beispiele stark säurehaltiger Lebensmittel

· Fisch, Fleisch, Wurst

· Milchprodukte (außer Sahne, Butter, Ghee)

· Fertigprodukte

· Essig

· Zucker

· Lebensmittelzusatzstoffe

· Kaffee, Früchtetee, Softdrinks, Alkohol


Wer sich nicht sicher ist, wie er eine Basenkur angehen soll, der kann sich den Artikel Basenkur zur Entsäuerung auf der Seite Zentrum der Gesundheit durchlesen. Hier erhaltet ihr wertvolle Tips, wie man Tabula Rasa mit einem übersäuerten Milieu machen kann. Anfangen sollte man stets damit, die stark säurebildenden Lebensmittel wegzulassen. Basenpulver können unterstützend wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente liefern, sowie die aus meinem Reformhaus um die Ecke oder im Netz.


Viel Erfolg bei der Entsäuerung!


Hinweis: Die hier zur Verfügung gestellten Informationen ersetzen keine Untersuchung oder Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker. Da ich selbst noch nicht praktiziere, dient dieser Artikel dem Interessierten als Impulsgebung über die Gesundheitsvorsorge. Wer die Empfehlungen anwendet, tut dies in eigener Verantwortung.

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