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  • Christine Sauer

Verdauungsprobleme, was hilft?

Heute möchte ich euch drei eurer Organe vorstellen, die genauso wichtig sind, wie Magen und Darm. Naja, zumindest zwei davon, Leber und Pankreas. Auf die Gallenblase könnt ihr zur Not verzichten.


Manchmal, wenn wir sehr fettreiche Nahrung zu uns genommen haben, zwickt es im Bauch, uns ist übel oder wir haben ein ständiges Völlegefühl, inkl. Blähungen. Das kann sehr viele Gründe haben. Im Einzelnen sollte man deshalb bei anhaltenden Beschwerden immer zum Arzt gehen. Ein häufiger Grund, weshalb wir manches nicht so gut vertragen, hängt mit der Galle zusammen. (Galle, nicht die Gallenblase! Der Unterschied wird gleich klarer.)

Vielleicht habt ihr euch schon mal gefragt, was unsere Galle eigentlich für eine Funktion hat? Und evtl. dachtet ihr, so wie ich, dass die Galle in der Gallenblase produziert wird. Ich finde es ist an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass es keine Schande ist, nicht zu wissen, wie unser Körper genau funktioniert. Woher sollen wir es auch wissen, wenn wir uns nicht kontinuierlich mit Physiologie beschäftigen? In der Schule wurde damals Druckbetankung willkürlicher Themen betrieben. Hängengeblieben ist dabei so gut wir nichts, es sei denn man hatte Bioleistungskurs.


It‘s the liver, Baby


Also, um meine anfängliche Frage aufzulösen: Die Galle wird in der Leber produziert. Sie besteht aus vielen Komponenten und ihre Aufgaben sind zum einen, Bilirubin auszuscheiden, das Abbauprodukt der verstorbenen Erythrozyten, und zum anderen, uns bei der Verdauung von fettreicher Nahrung zu unterstützen. Die in der Galle enthaltene Gallensäure wandelt dabei Fetttröpfchen in kleine Mizellen um. (Ihr kennt das Mizellengesichtswasser? Dahinter steckt die gleiche Technik.) Mizellen können als kleine Transportmoleküle verstanden werden. Sie haben eine wasserlösliche Hülle und einen fetthaltigen Kern. Auf diese Weise schwimmt das Fett in unserem Blut nicht wie Fettaugen auf einer Hühnersuppe umher und kann befördert werden. Das Ergebnis: ein Überschuss an Cholesterinen, Triglyzeriden und fettlöslichen Medikamenten wird besser ausgeschieden.


Und was macht die Gallenblase jetzt?


Die speichert die Galle in hochkonzentrierter Form. Wenn wir Fetthaltiges gegessen haben, stellt sie fix Gallensäure für die Verdauung zur Verfügung und alles ist gut. Wenn es nicht so gut läuft, dann kann das daran liegen, dass unsere Gallengänge verstopft sind, die Gallenflüssigkeit nicht im Darm ankommt und wir Probleme mit der Verdauung bekommen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Kolik. Gallensteine, heißt hier meist die Diagnose.

10% der Bevölkerung leidet an Gallensteinen, überwiegend sind das Frauen. Das liegt an den weiblichen Geschlechtshormonen, die vermehrt Cholesterin in der Leber aufnehmen. Da Cholesterin ein Bestandteil der Galle ist, kann dies zu Gallensteinbildung führen. Diese lassen sich aber ganz gut entfernen und in den meisten Fällen müssen sie gar nicht raus.


Bauchspeicheldrüse (Pankreas)


Auch die Bauchspeicheldrüse hilft uns bei der Verdauung. Sie produziert, speichert und schüttet Verdauungsenzyme aus, Lipase beispielsweise. Das Enzym spaltet Fett. Amylase dagegen spaltet Kohlenhydrate und die Proteasen, wie beispielsweise das Trypsin, spalten Eiweiße. Der Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse enthält außerdem basisches Bicarbonat, das den aggressiven Magensaft neutralisiert. Ist die Bauchspeicheldrüse entzündet, was durch Tumore, Gallensteine, Alkohohlexzesse oder bestimmte Virusinfektionen geschehen kann, kann es zu einer verfrühten Aktivierung dieser Verdauungsenzyme kommen. Die liegen nämlich normalerweise als Vorstufe vor, sonst würde sie sich selbst verdauen. Und genau das kann bei einer Entzündung geschehen. Da denkt man dann aber nicht mehr: „Oh, Essen nicht vertragen.“ Das ist ein Vernichtungsschmerz.


Zusammengefasst heißt das:

  • Die Galle enthält eine fettverdauende Lösung, die Gallensäure.

  • Die Leber produziert Galle in den Leberzellen.

  • Die Gallenblase ist der Speicherort für die Gallenflüssigkeit.

  • Der Pankreas produziert Verdauungsenzyme.


Die richtige Ernährung


Und was machen wir, wenn wir Probleme mit Galle, Gallenblase, Leber oder Bauchspeichel-drüse haben? Wichtig ist, die Reduktion von fettigem Essen und Fleisch, in dem viele gesättigte Fettsäuren stecken. Gesättigte Fettsäuren sind zwar nicht passé schlecht, allerdings essen wir zu viele davon, wodurch die Fließeigenschaft des Blutes gemindert wird. Die Folgen können eine Arterienverstopfung sein. Gesättigte Fettsäuren lassen sich zudem schwerer aufspalten und verdauen. Dazu zählen vor allem die sogenannten Transfette. Transfette wurden durch ein industrielles Verfahren von flüssig zu hart umfunktioniert, und regen in der Leber zur Cholesterinproduktion an, mit der Folge eines erhöhten LDL Cholesterinspiegels. LDL bedeutet Low-Density-Lipoprotein und ist das Transportprotein, das Cholesterin zu den Zellen bringt. Haben wir zu viel LDL im Blut, lagert es sich an den Gefäßwänden ab, und kann ebenfalls zu einer Arterienverstopfung führen. Außerdem fördert LDL die Bildung von Gallensteinen, obwohl nicht alle Gallensteine aus Cholesterin bestehen, aber die meisten.


Bei diagnostizierten Gallen-, Leber- oder Pankreasbeschwerden, sollte man unbedingt, neben zu viel Fett, weitere schwer verdauliche Mahlzeiten meiden. Dazu gehören leider auch einige gesunde Nahrungsmittel, wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte oder Trockenobst. Beta-Glucane dagegen, die im Hafer enthalten sind, wirken nachweislich cholesterinsenkend, binden die Gallensäure im Darm und reaktivieren die Neubildung in der Leber. Durch den Recyclingvorgang verbleibt weniger Cholesterin im Blut. Richtig gut sind außerdem, bitterstoffhaltige Nahrungsmittel. Bitterstoffe stimulieren auf gesunde Weise die Produktion von Verdauungsenzymen und helfen bei der Fettverdauung. Vor allem in Wildkräutern stecken viele Bitterstoffe, da sie in ihren kultivierten Versionen meist weggezüchtet wurden. Viele Bitterstoffe stecken noch im Ruccula, Chicorée, Oliven, Radicchio oder im Endiviensalat. Beispiele für bitterstoffhaltige Wildkräuter sind: Schafgabe, Löwenzahn, Wegwarte und Giersch.


Leber und Pankreas haben übrigens noch ganz viele andere tolle Funktionen. Aber dazu mehr in einem anderen Beitrag. Bleibt gerne dran und folgt mir auch auf Instagram. Hier schreibe ich kurzen „Snackcontent“, leicht verdaulich.


Christine

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