• Christine Sauer

Zuckerjunkie

Aktualisiert: Apr 14

Nein, Zucker dockt nicht im Gehirn an die gleichen Rezeptoren an wie harte Drogen. Es ist ein Gerücht. Es gibt zwar Studien an Ratten darüber wie Zucker im Gehirn wirkt und, dass Zucker Suchtpotenzial besitzt, auf den Menschen sind diese Studien jedoch bisher nicht übertragbar. Ich habe dennoch das Gefühl, dass ich süchtig bin und das schon als Kind. Meine Mutter wollte mich gesund erziehen und hat ein zuckervernichtendes Monster erschaffen.


Ich bin in den 80er und 90er Jahren aufgewachsen. In einer Zeit, in der alles glitzerte und funkelte. Es gab Traubenzucker in Esspapier und als Ufo-Form, Zuckerarmbanduhren, Double-Dip-Brausestäbchen, Bazooka-Joe Kaugummis und Bum Bum-Eis. Aber eigentlich waren es weniger die schillernden Dinge, die mich anzogen, sondern eher die Nougat-Eier, die man aus einer echten Eierschale rausschälen musste. Daran hatte ich mich an Ostern mal überfressen, sodass ich auf mein neues Walky Talky vor meinem Bett kotzte. Immer wenn ich dann Astrid, drei Häuser weit entfernt, anfunkte, stieg mir ein leicht süßlicher Kotzegeruch in die Nase. Daran erinnere ich mich jedes Mal wenn ich, so wie auch heute, wieder zu viel Süßes gegessen habe. Ostern halt!

Wisst ihr eigentlich, dass nur etwa 5% des täglichen Energiebedarfs aus Zucker bestehen sollte? Das sind ca. 25 g und sowas wie 6 gestrichene Teelöffel Zucker. Oder als besserer Vergleich, etwa 43 g Schokoaufstrich auf einem Brot. Die DGE empfiehlt zwar netterweise die doppelte Ration von 50g. Ich esse, während eines Zuckerrauschs, allerdings immer noch das Doppelte. Obwohl ich schlank bin, macht mich dieser Konsum zu einem gefährdeten Diabetes Typ II Kandidaten. Der Typ II entwickelt sich oft im Alter, meist bedingt durch übermäßigen Wohlstand und wird auch als Insulinresistenz beschrieben. Hier funktionieren die Insulinrezeptoren in den Zellen nicht mehr richtig, und das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt, kann nicht richtig andocken.

Zucker ist übrigens nicht gleich Zucker, es gibt soooo viele Formen. Vielleicht habt ihr schon mal von Einfach-, Zweifach- oder Vielfachzuckern gehört? Oder von Fructose, Glucose, Stärke oder Maltose? Da blickt echt niemand mehr durch, weshalb ich für euch eine Übersicht erstellt habe.

Wir fangen mal mit den Einfachzuckern an, auch Monosaccharide genannt. Dazu zählen u. A. Glucose, Fructose oder Galactose. Das sind einzelne Zuckermoleküle, die durch unseren Stoffwechsel nicht gespalten werden müssen und direkt von der Blutbahn aufgenommen werden können. Sie kommen in Obst als Fructose, bzw. Fruchtzucker vor. Dort ist der Einfachzucker ungefährlich, denn die günstigen Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die ebenfalls enthalten sind, überwiegen hier. Die Industrie macht sich Fruchtzucker allerdings in ungünstiger Form zu Nutze, indem sie ihn isoliert in Fertigprodukte verarbeitet. Da ist Fructose dann doppelt so süß, wie reine Glucose.

Disaccharide enthalten im Gegensatz zu Einfachzucker zwei Zuckermoleküle. Dazu zählen Saccharose, Maltose und Lactose. Sie werden im Verdauungssystem in Monosaccharide gespalten und sind die bekannten Dickmacher, wie der Industriezucker und somit in meinen geliebten Nougat-Eiern enthalten.

Oligosaccharide: Kommen in Hülsenfrüchten vor und verursachen durch ihre schwere Verdaulichkeit oft Blähungen im Darm. Verdauungsenzyme und Darmbakterien setzen Gase hier frei, während sie die Oligosaccharide in Einfachzucker zerlegen.

Polysaccharide sind langkettige Kohlenhydrate in Form von Vielfachzucker. Sie kommen beispielsweise als Stärke in Kartoffeln oder Getreide vor. Je länger die Kohlenhydratketten, desto mehr Zucker muss der Stoffwechsel abspalten und desto länger ist man satt. Vollkorn besteht aus längeren Einzelzuckerketten als beispielsweise Kartoffeln. Auch die meisten Ballaststoffe sind Polysaccharide. Inulin gehört dazu, ein Präbiotika, das den Darmbakterien als Futter dient. Alle Zuckersorten sind übrigens Kohlenhydrate und es gibt noch einige mehr.

Übrigens: an alle, die denken Agavensirup, brauner Zucker oder sonstige Zuckersorten seinen gesünder, sei gesagt: Leider nicht. Ob Saccharose, Lactose, Maltose, Glucose, Dextrose, Fructose, Inverzucker, Gerstenmalzsirup, Natürliche Fruchtsüße, Traubensüße oder brauner Zucker: Es ist alles dasselbe. Brauner Zucker enthält zwar etwas mehr Nährstoffe, aber um den Bedarf zu decken, müsste ich etwa 2 Kilo des braunen Zuckers verzehren.

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